Chor Programm Karten Konzerte Gästebuch AktuellImpressum

Alexanders Fest | Text deutsch | Text englisch (Original) | Solisten

Alexanders Fest

oder

Die Macht der Musik

Ode zu Ehren der heiligen Cäcilia von John Dryden

Kleines Stichwortverzeichnis für Interessierte

Georg Friedrich Händel

geboren 1685 in Halle/Saale

Mit 25 Jahren kam Händel als Komponist italienischer Opern nach London, wo er als solcher bemerkenswerten Erfolg hatte. Als Kapellmeister des Kurfürsten von Hannover und späteren Königs von England. Georg II., schrieb er Kirchenmusik für besondere zeremonielle Anlässe; mit dem Komponieren von Oratorien begann er erst spät, quasi als Alternative zu seiner Operntätigkeit. Er starb 1759 in London.

John Dryden, englischer Dichter

1631-1700, Hauptvertreter des englischen Klassizismus und Anhänger der Stuarts, betätigte sich in fast allen Dichtungsgattungen und schrieb 1697 die "Ode on St. Cecify's Day", deren äußere From darauf hinweist, dass sie von Anfang an zur Vertonung vorgesehen war.

Cäcilia

eine christliche Märtyrerin, die wegen ihrer wunderbaren musikalischen Fähigkeiten von den Tonkünstlern zur Schutzheiligen erkoren wurde: ihr Kalendertag ist der 22. November; - im 17. Jahrhundert wurde in England dieser Tag zunächst im häuslichen Kreis, später mit öffentlichen Musikfesten gefeiert; Henry Purcell begann 1683 in London damit diese Feste mit speziell dafür angelegten Kompositionen regelrecht zu "inszenieren".

Newburgh Hamilton

Freund Händels und eher unbedeutender Schriftsteller, übernahm die Einteilung der Drydenschen Ode für die Vertonung; in seinem Vorwort zur Erstausgabe des Alexanderfestes schreibt er: "Ich beschränkte mich auf die Einteilung in Arien, Rezitative und Chöre, die Worte im Ganzen als so heilig ansehend, dass kaum ein einziges verletzt oder von seiner ursprüglichen Stelle gerückt wurde. (...) Mein wichtigster Gesichtspunkt war es, die günstige Gelegenheit nicht zu versäumen, diesen Text von dem großen Meister vertonen zu lassen ..."

Hamilton fügte der Drydenschen Ode neun Zeilen seiner eigenen Cäcilienode von 1720 an, die Händel auch als Alt-Rezitativ, Duett für Sopran und Alt und einen Chor vertonte und bei mehreren seiner Aufführungen singen ließ; heute wird dieser Anhang meist fortgelassen (so auch in unserer Aufführung), da er weder textlich noch musikalisch an das Vorhergehende heranreicht.

Händels Vertonung

Drydens Cäcilienode stellte für Händel die erste Begegnung mit bedeutender englischer Dichtung dar. Er vertonte sie 1736, nachdem er sich zunächst als Komponist italienischer Opem einen Namen gemacht hatte, seine Stellung nun aber in der Zeit der Opernkämpfe zu wanken begann. Die Komposition einer Cäcilienode entsprach national-englischer Tradition und gab ihm die Möglichkeit seinen Platz im englischen Musikleben wieder zu festigen.

Es handelt sich beim "Alexanderfest" weder um eine Oper noch um ein Oratorium, sondern es weist Gemeinsamkeiten beider Gattungen auf.

Händel bearbeitete die ursprünglich epische Gedichtform dramatisch und gibt der konkreten Bildkraft der Sprache die musikalische Entsprechung. Dabei ist er in der Lage mit der englischen Sprache - die bis dahin kaum Beachtung gefunden hat - sehr flexibel und einfühlsam umzugehen.

Neben dem Messias hat das Alexanderfest seit seinem Erscheinen am meisten zu Händels Ruhm beigetragen.

Der Inhalt

Epischer Mittelpunkt der Ode ist ein historischer Vorgang: das Siegesfest Alexanders nach einer der Schlachten gegen die Perser (Anm.: 334 v. Chr. Granikos. 333 v. Chr. Issos, 331 v. Chr. Gaugamela).

Timotheus aus Theben, eigentlich Flötenspieler, tritt hier als Sänger vor, der sich auf der Lyra selbst begleitet. In psychologischer Weise berührt er mit seiner Musik alle Saiten in einer "griechischen" Brust.

Nach einleitender Beschreibung der Lage singt er zunächst von Zeus und die Schilderung der glanzvollen Erscheinung des Göttervaters ruft in Alexander und seinem Gefolge den Gedanken einer unmittelbaren göttlichen Abstammung hervor. (Anm.: Alexander ist der Sohn Philipps II. und der Olympias; der Sage nach verliebte sich Zeus in die schöne Prinzessin und zeugte Alexander.)

- Erhebung der Gefühle -

Timatheus lenkt die Gefühle zurück in irdischere Bahnen, indem er das Lob des Bacchus anstimmt. Alexander gerät durch den weinfrohen Gesang in sinnlichen Übermut und wie berauscht ficht er seine Schlachten nochmals durch und schlägt wiederhoit die bereits Geschlagenen.

- Aufstachelung der Gefühle -

Den sich fast zum Wahnsinn entwickelnden Stolz unterbricht der Sänger, indem er von dem großen Perserkönig Darius singt. (Anm.: Darius floh nach der Schlacht von Gaugamela vor Alexander und wurde auf der Flucht von seinem eigenen Provinz-Statthalter ermordet. Das gesamte Perserreich) wurde dadurch Teil von Alexanders Weltreich.)

In der großen Festversammlung regt sich Mitleid; alle sind erschüttert. nur der Sänger selbst (Merke!) bewahrt den Gleichmut eines echten Künstlers!

-Beruhigung der Gefühle -

Mitleid erzeugt Widerwillen vor allem zerstörerischen Tun und ist der Liebe verwandt. Liebe wiederum weckt das Verlangen nach friedlichem Lebensgenuss. Auf diese Gefühlsebene lenkt Timotheus die Festversammlung, indem er von Kriegsmühsal und nichtssagendem Ehrgeiz singt und gleichzeitig in lydischen Weisen auf die schöne Thais hinweist. Alexander läßt sich gerne führen und sinkt - von Wein und Liebe übermannt - schlafend an seiner Liebsten Brust.

- Mitleid / Liebe -

Ende des ersten Teils

Timotheus rüttelt die Festgesellschaft wach. Er singt von den in Kampf gefallenen Freunden, denen die Perser das Begräbnis verweigern - eine tiefe Verletzung für die griechische Seele. Alexander ergreift die Fackel, bereit zur Zerstörung der persischen Städte (Anm: Babylon, Susa, Persepolis; die Zerstörung von Persepolis war nach der Überlieferung Rache für das Niederbrennen Athens 480 v. Chr. durch den Perserkönig Xerxes).

Thais führt ihn an (Anm.: Ihre Vaterstadt war Athen.) und erinnert darin an Helena (Anm.: ..., die ihrerseits durch ihre Schönheit einen Krieg - den Trojanischen - ausgelöst hatte).

- Rachegefühle. aber auch Opferbereitschaft -

Hier endet die Schilderung des eigentlichen Festes. Timotheus verzauberte die griechische Festversammlung mit Flöte, Leier und Gesang. Aber dann kam Cäcilia. Die Welt des Altertums versinkt in lichten, fast überirdischen Flötenklängen und Cäcilia führt den Menschen über sich hinaus zur heiligen Tonkunst. In ihr wird die Musik des christlichen Abendlandes verehrt: Glockentöne, Orgelklang und Hymnen werden die Mittel der christlichen Menschheit und dienen der Verehrung und Anbetung des Göttlichen.

Die entscheidende Synthese erfolgt zum Schluss: Timotheus wird aufgerufen, den Preis mit Cäcilia zu teilen, denn er führte die Menschen in himmlische Höhen, sie aber holte die himmlische Musik (den "Engel") zu den Menschen herab. Griechische Schönheit und Lebensfülle zum einen und höchste christliche Begeisterung zum anderen finden gemeinsamen Ausdruck in der Musik.

Die Musik

Händels Musik setzt die Bildkraft der Sprache vor allem tonmalerisch um. In einer Vielfalt von vokalen und instrumentalen Farben zeichnet er aber auch Charaktere und erzeugt dramatische Spannung. Timotheus selbst wird dabei nicht als dramatische Person behandelt, sonder Händel verteilt seine Aufgabe auf alle Solisten und sogar auf den Chor. Scharfe Gegensätze bzw. gewollt Ungewohntes lassen einen aufhorchen, z.B. im Trinklied auf Bacchus, wo ein abruptes Ausweichen in die Mollvariante als Übergang zur Kadenz das Ohr überraschen. Auf das schmachtende Arioso "Softly sweet, in Lydian measures", in dem das Cello solistisch eingesetzt wird, folgt die sehr lebhafte Arie "War, he sung, is toil and troubte". Den Chor "The many rend the skies" bewegen innere Gegensätze. Während der fünftaktige, ostinate Bass vierzehn mal wiederholt wird, variieren darüber die Singstimmen in Vierteln und Halben, das Orchester in Achteln, alles zum Preis von Liebe und Musik. Den Ruf nach Rache "Revenge, Timotheus cries" unterstützt ein glänzendes Trompeten-Solo in D-dur, Andante allegro, und der Schnitt zum anschließenden Rezitativ über den Geisterzug der unbestatteten Griechen - als g-moll-Largo mit geteilten Bratschen und Celli, Fagotten, Kontrabass und Orgel - könnte größer nicht sein.

Den eindruckvollsten Augenblick erlebt man in dem Moment, in dem die Erzählperspektive wechselt. Das begleitete Rezitativ "Thus long ago" des Tenors stellt eine vollkommene musikalische Widerspiegelung der literarischen Idee dar. Die in Terzenparalellen geführten (Block-)flöten umspielen die Singstimme und lassen das Altertum versinken, damit Cäcilia kommen kann.

Der Übergang zu Cäcilias Wirken in Drydens Ode mag manchem sehr abrupt vorkommen. Die vorausgehende Szene endet damit, dass Thais den Zug der Griechen gegen Persepolis anführt, einer Helena gleich, die gegen Troja schritt.

Händel komponiert diese Szene keineswegs stürmisch voranschreitend, sondern im Charakter eines pastoralen Menuetts als Andante larghetto in der lichten Tonart B-dur. Vermutlich deutete er im Text "Thais led the way to light him to his prey das" prey nicht als Raub oder Beute, sondem bildlich als Opfer, wodurch der Rachezug zum Sühneopfer wird. Von der feierlichen Opferhandlung aus wird der Übergang zu Cäcilia schlüssig.

In der machtvollen Schlussfuge wird der knapp zusammengedrängte Text, der Timotheus und Cäcilia auf eine Ebene stellt, über vier Themen groß ausgebreitet. Die Instrumentation ist selbst für Händels Verhältnisse außergewöhnlich: neben der üblichen Streicherbesetzung spielen (Block-)fIöten, Oboen, Fagotte, Hörner, Trompeten, Cembalo und Orgel. Das gesamte Orchester (mit Ausnahme der Hörner) wirkt bei den Rezitativen mit, ein einmaliger Kunstgriff Händels, der ihm abweichende und überraschende Lösungen ermöglicht und die neue Flexibilität als Stilprinzip unterstützt.

Alexanderfest | Text deutsch | Text englisch (Original) | Solisten

Letzte Aktualisierung: 16.04.08 - dtp-net / Wolfgang Bund