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Programm


Sonntag, 10. Dezember 2006, 18 Uhr
Pfarrkirche Guter Hirte
Weil Friedlingen, Landskronstraße 7

Felix Mendelssohn Bartholdy

Paulus

Petra Hoffmann, Sopran
Silke Marchfeld, Alt
Bernhard Gärtner, Tenor
Markus Volpert, Bass

Motettenchor Lörrach
Orchester des Motettenchores

Leitung Stephan Böllhoff


 

Nach der erfolgreichen und viel bewunderten Wiederaufführung von Bachs "Matthäus-Passion" im März 1829 in der Berliner Singakademie unter der Leitung von Felix Mendelssohn-Bartholdy, begab sich der 21jährige Komponist im April 1829 auf eine drei Jahre dauernde Bildungsreise durch Europa: Zunächst nach England und Schottland und 1830 über Weimar (Besuch bei Goethe), München, Wien, Venedig, Florenz nach Rom, wo er sich fast ein halbes Jahr einquartierte. - Der Besuch im Vatikan, die Begegnung mit der eindrucksvollen Paulus-Darstellung in Raffaels "Disputa", jenem groß angelegten Fresko aus den Jahren 1509/10 im Sala della Segnatura, das die Verherrlichung des menschlichen Glaubens darstellt, mochte wohl in Mendelssohn den ersten Impuls zur Komposition des Oratoriums "Paulus" geweckt haben. Eine gewisse Rolle dürfte dabei auch die Konversion der Familie Mendelssohn vom jüdischen zum christlichen Glauben gespielt haben, weshalb speziell die "Bekehrung des Saulus" Mendelssohn ganz persönlich bewegte. Nach Beendigung dieser Reise sandte er Ende 1832 seinem Freund, dem Theologen Julius Schubring, einen Textentwurf zur Begutachtung - und dreieinhalb Jahre später, zu Pfingsten 1836, erfolgte während des 18. Niederrheinischen Musikfestes in Düsseldorf die gefeierte Uraufführung. Nach einer Überarbeitung des Werkes zur Drucklegung begann im Oktober 1836 in Liverpool der Siegeszug dieses Oratoriums, das innerhalb der nächsten 18 Monate über 50 weitere Male in ganz Europa aufgeführt werden sollte.

Das zweiteilige Oratorium "Paulus" - nach Worten der Heiligen Schrift - behandelt inhaltlich vier erste Schritte des Urchristentums nach dem Pfingstwunder: der Märtyrertod des Stephanus, die Bekehrung des Saulus, das Wirken der Apostel Paulus und Barnabas in Lystra sowie der Abschied des Paulus von den Ephesern, wobei Texte der Apostelgeschichte das Grundgerüst bilden. Wie in den Oratorien von Bach und Händel, welche Mendelssohn intensiv studiert hatte, verbindet oder unterbricht er Handlungen durch Chöre und Arien, deren Texte etwa den Psalmen (Gebet des Paulus), den Evangelien (Sopranarie: "Jerusalem! Jerusalem!") oder den Propheten (Chor: "Mache dich auf, werde Licht") entnommen sind. Waren die Choräle in Bachs Passionen noch bekenntnishafte Höhepunkte im dramatischen Geschehen, so tragen die vier Choräle, die Mendelssohn im "Paulus" einfügt, zur gewünschten religiösen Aura des Werkes bei, was auch die heutzutage überraschende Anweisung zu äußerst getragener Vortragsweise unterstreicht. Darüber hinaus wird die Ouvertüre durch den Choral "Wachet auf, ruft uns die Stimme" gleichsam zum Motto des ganzen Werkes.

Die Erneuerungsbewegung, welche Europa nach 1815 sozial, politisch, wirtschaftlich, geistig und kulturell in allgemeine Umwandlung brachte, ist auch in Mendelssohns "Paulus" eindrucksvoll erkennbar. Das Werk gilt - wie der spätere "Elias" - als Markstein der Oratorienliteratur im 19. Jahrhundert.

Joachim Jensch
 
 
 
 
 

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