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Die Schöpfung | Text deutsch | Solisten



Joseph Haydn - Die Schöpfung

Stimmenfestival, 15. Juli 2001

Der Sohn eines Wagnermeisters und Kleinbauern wurde mit acht Jahren Chorknabe am Stephansdom in Wien. 1749 wurde er wegen des Stimmbruchs entlassen und verdiente sich seinen Lebensunterhalt als Tanzgeiger und Gesangsstunden-Begleiter bei N. Porporas, der ihm wohl auch seinen ersten Kompositionsunterricht gab.
Seine erste Sinfonie schrieb er für den Grafen Morzin im böhmischen Lukawitz, wo er seit 1759 als Kapellmeister angestellt war. Die Fürsten Paul Anton und Nikolaus I. Esterházy wurden auf ihn aufmerksam und holten ihn zunächst als Vizekapellmeister, dann als Kapellmeister nach Eisenstadt und später nach Eszterházy am Neusiedler See. Hier erlebte er eine äußerst schaffensreiche Zeit. Nach Auflösung der Privatkapelle konnte Haydn, durch eine Pension finanziell unabhängig, nach Wien ziehen.
In den rund dreißig Jahren seiner Kapellmeistertätigkeit schuf Haydn zahlreiche Werke, die ihn weit über seine engere Heimat hinaus bekannt machten. 1794/95 erntete er in London mit der Wiedergabe seiner zwölf Londoner Sinfonien großen Beifall und wurde mit dem Doktortitel der Universität Oxford geehrt.
Nach der Rückkehr von dieser zweiten Englandreise berief ihn Nikolaus II. Esterházy wieder als Dirigent in seine neu zusammengestellte Kapelle. Es entstanden die großen Oratorien "Die Schöpfung" und "Die Jahreszeiten".
Haydn starb 1809, von Alter und Krankheit geschwächt, in Wien.

Das Oratorium Die Schöpfung gilt nicht nur als die Krönung von Haydns kompositorischer Laufbahn, sondern es begründete einen neuen Oratorientypus, der für das gesamte 19. Jahrhundert bestimmend wurde.
Dass Die Schöpfung der Gattung zu neuem Auftrieb verhalf, ist vor allem der Orientierung an Händels Oratorien zu verdanken, die Haydn während seiner beiden Londoner Reisen kennengelernt hatte. Händel hatte ihm die Möglichkeit einer flexibleren Gestaltung des musikalischen Satzes gezeigt und der Chor erfuhr eine deutliche Aufwertung. Haydn entdeckte einen immensen Formenreichtum, der sich von der süddeutsch-österreichischen Tradition mit ihren starren Wechseln von Rezitativ und Arie deutlich unterschied.
In den Chorpassagen der Schöpfung wechseln sich nun strenge Fugen mit rein immitatorischen Passagen, homophone Abschnitte mit dialogischen Stellen ab. Auf diese Weise konnte die Fülle der Chöre, die von Preis und Ruhm handeln, sich in immer neuem Gewand präsentieren: tänzerisches Gotteslob in "Mit Staunen sieht das Wunderwerk", liedhaft einfacher Satz in "Die Himmel erzählen" , monumentale Prachtentfaltung in "Stimmt an die Saiten" oder "Singt dem Herrn alle Stimmen".

Wie Haydn auf das Thema "Schöpfung" und dann zu dem Text gekommen war, ist heute nicht mehr sicher zu klären. Vermutlich war der englische Text eigentlich noch für Händel bestimmt gewesen; Haydn brachte ihn von seiner zweiten Englandreise mit und ließ ihn - da er sich im Englischen nicht so sicher fühlte - von Baron van Swieten übersetzen.
Nach dieser Übersetzung komponierte er innerhalb von zwei Jahren sein Oratorium und brachte es 1798 in Wien zur Aufführung. Der Erfolg war sensationell, sehr bald wurde die Drucklegung veranlasst und in kaum geahntem Ausmaß verbreitete sich das Werk über ganz Europa.
Die großartige Resonanz auf Die Schöpfung ist zunächst eher unverständlich, wenn man sich vor Augen hält, was dem Werk nicht gegeben ist: keine dramatische Handlung, kein tragischer Konflikt, keine Identifikationsmöglichkeit mit handelnden Personen. Dazu die Gefahr der Monotonie, da jeder der sieben Tage mit einer Lobeshymne endet.
Was das Oratorium allerdings bietet sind von allem zwei Dinge: das Pittoreske der Naturschilderung zum einen und die Erhabenheit der Charaktere von Adam und Eva zum anderen. Bei der Erschaffung der Welt schäumen die Wellen, rauschen die Bäche, gehen Sonne und Mond auf und allerlei Getier bevölkert (auch musikalisch) die Erde. Damit war die Möglichkeit gegeben, musikalische Kontraste als wesentliches kompositorisches und formales Stilmittel einzusetzen. Doch dieser Volkstümlichkeit steht das humanitäre Ideal gegenüber und der spielerische Charakter der ersten beiden Teile erhebt sich im dritten Teil in ethische Dimensionen. Das Fazit unmittelbar vor dem Schlusschor

"O, glücklich Paar, und glücklich immerfort,
wenn falscher Wahn euch nicht verführt,
noch mehr zu wünschen, als ihr habt,
und mehr zu wissen, als ihr sollt".

darf als Mahnung verstanden werden (- wenige Jahre nach der französischen Revolution!).

Bereits die Einleitung des Werkes bringt eigentlich Gegensätzliches zusammen. Wie zahlreiche Skizzen zeigen war es selbst für einen so erfahrenen Komponisten wie Haydn eine Herausforderung, die "Vorstellung des Chaos" darzustellen. Er zwingt die Extreme des strengen Motettenstils einerseits und der Schreibart der freien Phantasie andererseits zusammen. Harmonische Kühnheiten beschreiben das Chaos und erregten die Bewunderung der Fachwelt, simple Stilmittel wie Wechsel der Tonart, Dynamik und Orchesterbesetzung bringen das "Licht" und trugen ihm den Vorwurf der Naivität ein.

Im Übrigen bleibt das Bild der Harmonie ungetrübt, denn Adam und Eva verkörpern Würde und Hoheit, Stärke und Mut, Schönheit und Weisheit und zudem zeigen sie unbedingte Zuneigung zueinander. Dieser Aspekt ist Haydn wichtig.
Drei Flöten zeichnen im Auftrittsrezitativ ein Idyll, das aber Erhabenheit atmet durch die Wahl der Tonart E-Dur. Und das Schlußduett "Mit dir erhöht sich jede Freude" paart Unbeschwertheit mit Eleganz.

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